WEISS IST KEINE FARBE (UA) von Christina Kettering am Comedia Theater Köln
Großartig ist auch, wie es dem Ensemble unter der Regie von Markolf Naujoks gelingt, das „Aber“ hinter unseren Toleranzbekundungen, die feinen Risse in unserer Gesellschaft auch für die jüngsten Zuschauer sicht- und spürbar zu machen. (…) Es ist schon ein kleines Wunder, wie gut Katharsis und Gesellschaftskritik im zeitgenössischen Kindertheater funktionieren. Zumal dem witzigen und dynamischen Schlagabtausch der Nachbarskinder leise Pianotöne (Klavier und Gesang: Donaldson) und poetische Bilder beiseitegestellt werden. Surreal-schön sind die Fotos und Fotomontagen, die auf eine kreisrunde Leinwand projiziert werden. Wie ein melancholischer Mond schweben die Bilder über der abstrahierten Großstadtszenerie. Weder die Poesie noch der Witz können allerdings darüber hinwegtäuschen, dass Ketterings Stück im Grunde starker Tobak ist. Immerhin geht es hier um Rassismus, Grenzüberschreitung, Selbstjustiz. Und Gewalt, die Gegengewalt erzeugt (…) Eins bleibt zu hoffen: dass künftig mehr nachdenklich machende Kinderstücke dieser Art auf deutsche Bühnen gebracht werden. Stücke, die so mühelos die Waage zwischen Humor und Ernst halten wie „Weiß ist keine Farbe“, und die unser Schwarz-Weiß-Denken auf so unterhaltsame wie eindringliche Weise aufbrechen.
(Jaleh Ojan / Meine Südstadt)
